Im ersten Autotest habe ich Dir drei kompakte E-Autos vorgestellt, die sich perfekt für Wochenendausflüge in Österreichs Weinbaugebiete eignen. Heute gibt es einmal einen Vergleich zwischen zwei Autos, die weniger für die Ausflüge zu Weinbergen, sondern eher für die Arbeit auf den Weinbergen geschaffen wurden, nämlich die beiden derzeit in Österreich erhältlichen Elektro-Pickups.
KGM Musso EV

1. KGM Musso EV

Die Marke KGM ist Dir vielleicht neu und tatsächlich ist die Marke auch neu, der südkoreanische Hersteller jedoch nicht. 1954 gegründet, wurde er später als SsangYong bekannt. An die kannst Du Dich vielleicht erinnern. Vielleicht etwas seltsames Design, aber geballte Geländekompetenz.

KGM Musso EV

Unter den Fittichen des Chaebols (Industriekonglomerats) KG hat KGM aber nun auch Designkompetenz erworben und das ganz ordentlich. Unter den derzeit angebotenen Pick-Ups sticht er als eleganter Schönling hervor, besonders natürlich in der Farbe “Blazing Gold”.

Weinbergtauglich? 2 Pick-Ups mit E-Antrieb

Mit 237 PS und Allradantrieb (alternativ gibt es auch einen reinen Fronttriebler mit 207 PS) sind auch steilere Wege kein Problem. 1,92 m Breite sorgen für volle Hohlwegtauglichkeit

Weinbergtauglich? 2 Pick-Ups mit E-Antrieb

Mit 5,19 m ist der Musso derzeit der kürzeste Gelände-Pick-Up auf dem österreichischen Markt, was im Weingarten kein Nachteil ist. Dank Panoramakamera ist auch in Altstadt und Tiefgarage das Einparken ein Kinderspiel.

KGM Musso EV

Die Ladefläche ist dennoch großzügig bemessen. Sehr angenehm sind die integrierten Trittbretter unter den Heckleuchten. Mit 805 kg (Allrad) bzw. 905 kg (Frontantrieb) bleibt die Zuladung leider unter der 1-Tonnen-Grenze.

Einen Riesenvorteil gegenüber einem Verbrenner hat die Ladefläche jedoch in Gestalt einer 230 V-Steckdose. Das Stromaggregat für Beleuchtung oder elektrisches Werkzeug darf also zu Hause bleiben. Mit dem 80,6 kWh-Akku kann man schon eine Zeit lang in Wald und Weingarten arbeiten und hat immer noch genug Energie für die Heimfahrt.

KGM Musso EV

Der Innenraum ist großzügig und luxuriös. KGM hat die hochwertigen Materialien wirklich gekonnt eingesetzt. Am beeindruckendsten und leider hier nicht darstellbar ist jedoch das Schließen der Türen. Dieses satte Geräusch kennt man sonst nur von Fahrzeugen mit Stern!

KGM Musso EV

Die Reichweite liegt bei 379 km (Allrad) bzw. 420 km (Frontantrieb). Von 10% auf 80% brauchst Du am Schnelllader nur 36 Minuten, somit sind auch längere Touren kein Problem. 

KGM Musso EV

So, und jetzt zum Schluss kommt der Hammer, nein, die Hämmer. 

Hammer Nummer 1 ist der Preis. Den günstigsten Musso (Frontantrieb, Ausstattung Style) gibt es derzeit – bitte festhalten – in Österreich um sagenhafte 39.490. Damit ist er günstiger als alle derzeit erhältlichen Verbrenner-Pick-Ups. Selbst in der Top-Variante mit Allrad bleibt er knapp unter 50.000 und ist damit billiger als beispielsweise der günstigste Benzin-Passat.

KGM Musso EV

Hammer Nummer 2 ist die Garantie. Auf das Fahrzeug gibt es 7 Jahre oder 150.000 km Garantie, auf den Akku 10 Jahre oder 1.000.000 km. Nein, das ist keine Null zu viel, das heißt wirklich eine Million Kilometer!

Preise in Österreich (Stand Dezember 2025):
FWD Style (207 PS; 80,6 kWh Akkukapazität, 420 km Reichweite, 120 kW DC-Laden): EUR 39.490,- inkl. MWSt.
AWD Style (237 PS; 80,6 kWh Akkukapazität, 379 km Reichweite, 120 kW DC-Laden): EUR 43.490,- inkl. MWSt.
AWD Black Edition (237 PS; 80,6 kW Akkukapazität, 379 km Reichweite, 120 kW DC-Laden): EUR 49.590,- inkl. MWSt.

Maxus eTERRON 9

2. Maxus eTERRON 9

Der Maxus eTERRON 9 zeigt schon auf den ersten Blick, dass er ein ganz anderes Kaliber ist. In Österreich kennt man Maxus vor allem von den Nutzfahrzeugen, von denen mittlerweile tausende als Postautos durch unser Land gleiten. Der Hersteller Maxus geht auf Freight Rover, den Anfang der 1980er-Jahre von Rover abgespaltenen Nutzfahrzeughersteller zurück, der später mit DAF unter dem Namen Leyland DAF eine kurze und unglückliche Ehe einging. Später ging der Hersteller unter dem Namen LDV an den russischen GAZ-Konzern. 2009 hat die chinesische SAIC das Unternehmen gekauft und zwei Jahre später in Maxus umbenannt. Unter der chinesischen Adoptivmutter geht es dem verstoßenen Bruder von Land Rover nun endlich gut.

Maxus eTERRON 9

Mit exakt 5,5 m Länge und exakt 2,0 m Breite überragt der Maxus nicht nur den KGM, sondern so gut wie alle derzeit in Österreich angebotenen Pick-Ups, die nicht in Amerika produziert werden.

Maxus eTERRON 9

Die Ladefläche ist entsprechend riesig, die Klappe klappt elektrisch nach unten und dabei senkt sich sogar noch das Heck um ein paar Zentimeter. Die Luftfederung regelt übrigens auch während der Fahrt die Bodenfreiheit zwecks Verbrauchsoptimierung und Kurvenverhalten. 

Maxus eTERRON 9

Somit ist der Maxus auch urlaubstauglich, wobei man für den Kurzurlaub außer vielleicht dem Mountainbike nichts auf die Ladefläche wuchten muss. Für die Wanderausrüstung reicht nämlich auch der mit 236 l großzügige Frunk. Dort und auf der Ladefläche gibt es übrigens auch viele Steckdosen – und die sind so stark, dass man damit sogar eine Punschhütte betreiben könnte.

Maxus eTERRON 9

Im Innenraum gibt’s Luxus pur und natürlich ist auch hier alles geschmackvoll und luxuriös. 

Maxus eTERRON 9

Mit 442 PS (170 PS vorne und 272 PS hinten) ist dem eTERRON 9 kein heimischer Weingartenweg zu steil. Dort, wo jeder Benzinmotor höllisch aufheult und jede Dieselmaschine laut brummt, ziehen die beiden E-Motoren mit ihren 700 Nm das 3-Tonnen-Fahrzeug absolut unbeeindruckt hinauf. Beeindruckend!

Maxus eTERRON 9

Ein paar bange Sekunden beim Bergabfahren durch einen schmalen Hohlweg. Doch dann haben sich diverse Kameras automatisch aktiviert und ich konnte das Riesenauto leichter zwischen den steilen Lösswänden manövrieren als es mit so manchen modernen Kleinwagen möglich gewesen wäre.

Maxus eTERRON 9

Mit nur 5,8 Sekunden von 0 auf 100 km/h lässt der 3-Tonner so manchen schlanken Sportwagen an der Ampel hinter sich. Die Reichweite liegt bei 430 km, in 42 Minuten wird von 20 auf 80% aufgeladen.

Maxus eTERRON 9

Apropos 3 Tonnen: Durch das hohe Eigengewicht bleiben leider nur 600 kg Zuladung, um B-Führerschein-tauglich zu bleiben. Wer den “E zu B”-Führerschein hat, darf dafür bis zu 3,5 Tonnen ziehen.

Maxus eTERRON 9

Bevor wir nun aussteigen (wofür wie die Tür elektronisch öffnen müssen!) noch ein Blick auf die Preisliste. In Österreich startet der eTERRON 9 derzeit bei EUR 57.900,- exkl. MWSt. (69.480,- inkl. MWSt.). Dafür gibt es 5 Jahre oder 160.000 km Garantie auf das Fahrzeug und 8 Jahr oder 200.000 km Garantie auf den Akku.

Preise in Österreich (Stand Dezember 2025):
Luxury (442 PS; 102 kWh Akkukapazität, 430 km Reichweite, 115 kW DC-Laden): EUR 69.480,-

Fazit

Auch in diesem Vergleich kann es keinen objektiven Sieger geben. Zu unterschiedlich sind die Charaktere der beiden.

Für den Weinbau sind beide optimal und wenn sich auf dem Presshaus eine PV-Anlage befindet sogar ideal. Dabei sind beide durchaus auch langstreckentauglich. Eingeschränkt ist leider die Zuladung. Wer unbedingt die magischen 1.000 kg transportieren möchte, muss wohl auf den Toyota HiLux warten, bei dem zu Gunsten hoher Zuladung (und auf Kosten der Langstreckentauglichkeit) bewusst auf Akkukapazität und somit -gewicht verzichtet wurde.

Den KGM Musso EV empfehle ich Dir, wenn Du…
…auch in Wald und Weingarten einen eleganten Auftritt hinlegen möchtest.
…nicht auf ein anderes Auto wechseln möchtest, wenn Du in die Parkgarage oder in die Altstadt musst.
…eigentlich auf einen Mittelklassekombi gespart hast, nun aber doch etwas Ungewöhnlicheres suchst.
…finanziell jedes Risiko vermeiden möchtest und auf umfangreiche Garantien setzt.

Den Maxus eTERRON 9 empfehle ich Dir, wenn Du…
…viel Power brauchst, sei es für den Ampelsprint, besonders schwieriges Gelände oder Dein mitgebrachtes Elektrowerkzeug.
…es liebst, für jeden Zweck das neueste elektronische Helferlein zu haben.
…den großen Auftritt liebst.
…schwere Anhänger ziehen musst.

Neugierig geworden?

Beide Fahrzeuge kannst Du natürlich auch bei den jeweiligen Markenhändlern ausprobieren!

Der KGM Musso EV wurde mir für den Test vom Autohaus Ruiner in Langenlois zur Verfügung gestellt, der Maxus eTERRON 9 vom Autohaus Auer in Stratzdorf, beides im Bezirk Krems.