↔ 5,0 km | ↑ 60 m | ↓ 60 m | ↕ 50 m | ●●○○○ | 01:15
Ein vielleicht einzigartiges Kuriosum gibt es in Zellerndorf im Weinviertel. Dort verlaufen nämlich gleich drei Wanderwege auf ein- und derselben Strecke. Die Veltliner-Tour mit “Veltliner & Veltlinchen” wurde dort nämlich mit Stationen für Kinder ausgestattet. Diese können sich mit dem Kater “Zelli” auf “Stiefelsuche” machen. Die Kindertour nennt sich somit “Zellis Stiefelsuche”. Weil aller guten Dinge drei sind, verläuft auf derselben Strecke auch noch der “Tut gut”-Schritteweg. Sinnvoll oder nicht? Das musst Du selbst entscheiden, mein Fazit findest Du am Ende der Beschreibung.

Ausgangspunkt ist das ehemalige Gemeindeamt an der Kreuzung der B45 mit der L1065. Dort triffst Du Zelli des erste Mal. Früher gab es dort wohl auch ein Veltlinchen in ähnlicher Größe. Leider hab ich sie nicht angetroffen.

Auch eine Büste von Kaiser Franz Joseph befindet sich dort. Unsere Begehung fand übrigens Anfang Oktober 2025 statt. Mitte Oktober wurde dann der Diskussionsprozess um die Nachnutzung des Gebäudes gestartet. Es ist also durchaus möglich, dass es dort bei Deiner Wanderung bereits etwas anders aussieht.

Die Tafeln der Veltliner-Tour sind übrigens grün und im Hochformat,…

während jene von Zellis Stiefelsuche orange und im Querformat sind.

Die Marterl und Statuen entlang des Weges sind alle vorbildhaft mit Informationstafeln versehen.

So oder so gehst erst einmal auf der B45 in Richtung Westen.

Linkerhand siehst Du das “Holzkreuz bei der Platterstraße”.

An der leicht ansteigenden Straße befindet sich auch das neue Gemeindeamt.

Vor einem Bildstock aus dem späten 17. Jahrhunderts biegst Du links auf die Kellergasse Maulavern ab.

Diese ist rund 750 Meter lang und umfasst 126 Gebäude. In der Kellergasse wurden auch zahlreiche Szenen der Fernsehserie “Julia – Eine ungewöhnliche Frau” gedreht. Die 1999-2003 erstausgestrahlte Serie mit Christian Hörbiger in der Titelrolle war damals in Österreich ein Riesenerfolg. Gleich in einem der ersten Keller, dem “Schneiderkeller” befindet sich ein kleines, kostenlos zugängliches Museum.

Im fast schon labyrinthartigen Weinkeller…

müssen die Kinder einen von Zellis Stiefeln suchen.

Die Kellergassenidylle war für uns Erwachsene trotz Schlechtwetters beeindruckend.

Ende Oktober findet alljährlich ein Kürbisfest in der Kellergasse statt.

Manche Kunstwerke und Kuriositäten sind hier das ganze Jahr über anzutreffen.

Nicht alle Kunstwerke sind modern. Der “Herrgott auf der Rast” wurde bereits 1708 errichtet. Damals gab es hier möglicherweise noch keinen einzigen Weinkeller. Mehr zur Entstehung der Kellergasse findest Du übrigens auf marterl.at.

Kurz danach erreichst Du den Rastplatz, wo die Kinder “Himmel und Hölle” spielen können – aber nicht jetzt, denn Du wirst später noch einmal vorbeikommen.

Du gehst hier nämlich vorerst noch geradeaus weiter.

Beim 1841 errichteten Rankl-Kreuz drehst Du dann um.

Jetzt gehst Du wieder zurück.

Beim Rastplatz biegst Du links auf den “Schiefen Weg” ab. Zuvor dürfen aber die Kinder natürlich endlich “Himmel und Hölle” spielen!

Nach dem Rastplatz siehst Du eine Kellerkatze auf einer Weinflasche – diesmal aber nicht als Comic-Figur.

Vandalismus im Weinberg? Ich denke, die Tafeln mit den Gedichten sind absichtlich schief.

Der Schiefe Weg endet an der B45. An der Kreuzung befindet sich ein Holzkreuz.

Du überquerst die Bundesstraße und gehst dann geradeaus weiter.

Nachdem Du den Wald wieder verlassen hast, gehst Du geradeaus weiter.

Linkerhand befindet sich dann etwas versteckt und von mir leider übersehen und somit nicht fotografiert das 1880 errichtete “Holzkreuz am Oberort”, rechterhand die Schlossmühle aus dem 16./17. Jahrhundert (auch als “Schloss Zellerndorf” bezeichnet).

Für die Kinder sicher spannender ist der Spielplatz mit dem Daubenfüßler, der nun auf der linken Seite folgt.

Die Straße endet bei der 1713 errichteten Marien- oder Pestsäule an einer quer verlaufenden Straße, in die Du links einbiegst.

Im “Zehentstadel” wurde früher der Zehent abgegeben werden.

Ein schlichtes Holzkreuz erinnert an ein tragisches Unglück zu Kriegsende. Die abziehende Wehrmacht hatte die Brücke gesprengt und den Weg vermint. Josef Basler wollte eine Tafel einschlagen, um die Menschen zu warnen, wurde dabei aber selbst Opfer einer Mine, Zwei ihm zu Hilfe eilende Männer lösten ebenfalls Minen aus und fanden ebenso den Tod.

Du überquerst dann die neue Brücke über die Pulkau.

Nach dem Gestüt biegst Du schräg rechts ab.

Nach kurzem Anstieg begegnest Du erneut…

dem Kater Zelli.

In dem Presshaus, das ein Marienbild ziert,…

befindet sich ein weiteres frei zugängliches Museum. Im Erdgeschoß geht es um den Weinbau,…

im Obergeschoß um das Leben in früherer Zeit.

Für die Kleinen natürlich viel wichtiger ist das Kegelspiel. Statt mit einer Kugel wird hier mit Zellis Stiefel gekegelt.

Wieder auf dem Wanderweg begegnest Du Zelli gleich noch einmal.

Danach kommst Du zu der den Heiligen Philipp und Jakob geweihten Pfarrkirche, einer in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts auf frühmittelalterlichen Fundamenten errichteten gotischen Pseudobasilika. Die Kirche wurde 1729 barockisiert.

Vor dem Stiegenaufgang befindet sich eine 1701 errichtete Pietà. Der Platz rund um die Säule wurde im Rahmen der Dorferneuerung errichtet und am 9.9.1999 eingeweiht.

Das “Highlight” wird für die meisten jedoch der Karner aus dem zweiten Viertel des 14. Jahrhunderts sein, der wie ein abgeschnittener Kirchturm aussieht.

Durch ein Kellerfenster kannst Du zu den aufgestapelten Gebeinen blicken.

Am 1962 errichteten Kriegerdenkmal entlang geht es weiter. Mittelpunkt des Denkmals ist eine Darstellung des Hl. Georg.

Die nächste auffällige Wegmarke ist eine Nepomuk-Statue, die wohl in der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts errichtet wurde.

Nachdem Du die Pulkau erneut überquert hast, biegst Du links ab.

Am Ende dieses Weges biegst Du rechts ab.

Gleich danach biegst Du erneut rechts ab. Linkerhand siehst Du das “Dreieichner Marterl”.

Beim Spielplatz triffst Du nun zum letzten Mal auf Zelli, der hier auf einer Traubensaftflasche herumklettert.

Danach gehst Du geradeaus weiter.

Bei der 1737 errichteten Dreifaltigkeitssäule biegst Du links ab.

Beim – übrigens sehr empfehlenswerten – Retzerlandhof überquerst Du die B45…

und kommst so wieder zum Ausgangspunkt der Route.
Fazit:
Drei Wanderwege auf ein- und derselben Strecke sind fürwahr außergewöhnlich, hier aber alles andere als sinnlos. Wer einfach im Laufschritt oder mit Nordic-Walking-Stöcken Schritte machen möchte, kann den Weg als abwechslungsreichen Schritteweg mit fast genau 5 Kilometern Länge sehen. Zellis Stiefelsuche ist natürlich für die Kinder spannend und unterhaltsam und zwar so sehr, dass wir Erwachsenen obwohl wir rund 3 Stunden gebraucht haben, kaum Zeit fanden, uns um die interessant präsentierten Fakten zu Wein und Geschichte, die die Veltliner-Tour bietet, zu kümmern. Last but not least ist mir erst beim Schreiben dieser Beschreibung aufgefallen, dass ich ein Kreuz und sehr viele interessante Mauernischen schlicht und einfach übersehen habe. Wenn Du willst, kannst Du den Weg auch noch als Marterlwanderweg gehen. Wenn Du auf marterl.at nach Zellerndorf suchst, findest Du übrigens auch sehr viele Häuser und Weinkeller detailreich dokumentiert!
Egal, ob als Schritteweg, als Veltliner-Tour oder als Zellis Stiefelsuche: Diese Strecke ist landschaftlich schön und abwechslungsreich und dadurch sehr empfehlenswert. Dass hier drei Touren auf derselben Strecke verlaufen, geht also voll in Ordnung. Aber, liebe Tourismusverantwortliche anderer Gemeinden, bitte nicht nachmachen. Auch wenn es in Zellerndorf funktioniert hat, könnte es in einer anderen Gemeinde ordentlich danebengehen.
Quick Facts:
Weglänge: ca. 5,0 km
Dauer: ca. 01:15 (reine Gehzeit, für Veltliner-Tour ODER Zellis Stiefelsuche bitte mindestens 3 Stunden einplanen!)
Differenz zwischen höchstem und niedrigstem Punkt: ca. 50 m
Gesamter Auf-/Abstieg: ca. 60 m
Kinderwagentauglich: ja
Für Nordic Walking geeignet: ja
GPS-Daten: Download
Öffentliche Verkehrsmittel: Bushaltestelle Zellerndorf Gemeindeamt; Fahrplanauskunft auf SCOTTY
Offizielle Informationen: weinviertel.at (Veltliner-Tour), zellerndorf.gv.at (Zellis Stiefelsuche), zellerndorf.at (Zellis Stiefelsuche), tutgut.at (Schritteweg)











































































