Der Donaulimes, also der Abschnitt der Grenzbefestigung des antiken Römerreiches entlang der Donau wurde Ende Juli 2021 von der UNESCO als Weltkulturerbe anerkannt. Eine allerdings wenig bekannte römische Stätte ist Zeiselmauer. Auf dem Gebiet der heute ca. 2.300 Einwohner zählenden Gemeinde befand sich in der spätflavischen Zeit, also von ca. 80 bis 400 n. Chr. das Römerkastell Cannabiaca. Auch wenn die heutige Gemeinde Zeiselmauer-Wolfpassing vielleicht nicht so bekannt ist wie andere römische Stätten oder an deren Stellen errichtete Städte, so findet man hier doch überraschend viele Überreste aus der Antike, die man im Zuge des nicht ganz einen Kilometer langen, vom Verein Freunde von Zeiselmauer angelegten und ausgeschilderten Römerrundgangs besichtigen kann.

Die Römer haben übrigens auch den Weinbau ins heutige Zeiselmauer gebracht. Mit lt. Riedenkarten.at beträgt die heutige Anbaufläche aber nur noch 0,24 ha, also gerade einmal 2.400 m². Der soweit ich weiß einzige Weinbau- und Heurigenbetrieb befindet sich im Ort Wolfpassing.

Der Rundgang startet bei der Pfarrkirche von Zeiselmauer. Christen gab es hier bereits im 3. Jahrhundert nach Christus, den berühmtesten von ihnen wirst Du bald kennenlernen. Die heutige Kirche ist der Unbefleckten Empfängnis Mariae geweiht und wurde von 1685 bis 1697 errichtet, nachdem die alte Kirche 1683 im Zuge des Großen Türkenkriegs im Jahre 1683, dem Jahr der Zweiten Wiener Türkenbelagerung zerstört wurde.
Vor dem gebührenfreien (Stand August 2021; Angaben ohne Gewähr) Parkplatz befindet sich auch die erste Schautafel, gleich daneben auch die Nummer 5.
Du überquerst dann die B14 und biegst links in diese ein.
Du kommst dann zum Florianiplatz mit der Florianikapelle. Hier biegst Du dann rechts in Richtung Augasse ab.
Obwohl nicht offizieller Teil des Rundwegs empfehle ich Dir einen Abstecher. Der Heilige Florian von Lorch ist heute weithin als Patron der Feuerwehren und der Rauchfangkehrer bekannt. Der 304 in Lauriacum, dem heutigen Lorch (Stadtgemeinde Enns/Oberöstereich) hingerichtete christliche Märtyrer war der „erste österreichische Heilige“. Der Heilige Florian, der als römischer Offizier in Aelium Cetium (Sankt Pölten) stationiert war, wurde möglicherweise im heutigen Zeiselmauer geboren. Eine ausführliche Abhandlung findest Du übrigens auf der Website der FF Zeiselmauer.
In der Augasse findest Du dann die offizielle 2. Station und das erste richtige römische Bauwerk auf Deiner Runde, den Burgus, ein Kleinkastell für etwa 50 Mann, das in der 2. Hälfte des 4. Jahrhunderts errichtet wurde.

Wie das Kastell damals, vor über 1.600 Jahren, ausgesehen haben könnte, siehst Du in diesem Video auf YouTube.

Bei der nächsten Kreuzung biegst Du dann rechts in die Römergasse ab.
Im Garten bei Haus Nr. 2a findest Du, nein, keinen Swimmingpool und auch keine Gartenzwerge, sondern…
die Überreste eines einst wohl ca. 9 Meter hohen Fächerturms aus dem frühen 4. Jahrhundert. Dieser Turm ist übrigens das älteste erhaltene spätrömische Bauwerk in Zeiselmauer.
Gleich danach biegst Du rechts auf den Fußweg ab.
Dieser ist am Ende ziemlich schmal, wodurch ich der Runde das Prädikat „kinderwagentauglich“ leider nur bedingt geben kann.
Der Fußweg endet dann am Passauer Platz vor der Kirche. Der Name weist auf das Bistum Passau hin, zu dem die Pfarre Zeiselmauer von 836 bis 1786 gehört hat.
Spannender ist jedoch das Gebäude, das Du linkerhand siehst.
Der Körnerkasten (auch „Kastentor“ genannt) wurde so wie der Burgus in der 2. Hälfte des 4. Jahrhunderts errichtet und später als Körnerkasten benutzt und ist eines der größten erhaltenen spätrömischen Bauwerke in Österreich.
Du gehst dann um die Ecke in Richtung B14 bzw. in Richtung Kirche.
Du biegst dann links in die B14 ein und gleich danach rechts auf den Kirchenplatz.
Zuvor solltest Du aber noch einen kurzen Blick auf den Passauerhof werfen, in dem sich bis zum Frühling 2021 der „Gasthof zum Lustigen Bauern“ befand. Der 1041 fertig gestellte Passauerhof wurde nämlich auf römischen Grundmauern errichtet. 1203 weilte hier Walther von der Vogelweide. Eine Rechnung über den Kauf eines Pelzmantels ist die einzige erhaltene urkundliche Erwähnung des bedeutendsten deutschsprachigen Lyrikers des Mittelalters.
Danach gehst Du erst einmal zum Start zurück.
Wie bereits anfangs erwähnt befindet sich hier auch die 5. Station.
In der Kirche befindet sich auch ein Reliquienschrein mit einer 1761 vom Passauer Weihbischof geschenkten Reliquie des Hl. Florian. Ein interaktives 360°-Foto der Kirche findest Du hier. Leider nur nach Voranmeldung für Gruppen zu besichtigen ist die Unterkirche mit dem römischen Fahnenheiligtum, das einst das Zentrum des römischen Kommandogebäudes (Principia) war. Bilder von diesem findest Du auf der Website der Freunde von Zeiselmauer, darüber hinaus gibt es auf YouTube ein Video, das das sein mögliches Aussehen zeigt.
Dann gehst Du rechts an der Volksschule vorbei in Richtung Südwesten.
Über den Fußweg gelangst Du zur Schulgasse, in die Du rechts einbiegst.
Beim Feuerwehrhaus biegst Du links in die Bahnstraße ab.
Im Vorraum des Gemeindeamtes findest Du einen Schauraum mit zahlreichen römischen Fundstücken aus Zeiselmauer. Dieser kann zu den Öffnungszeiten der sich ebenfalls in diesem Gebäude befindlichen Filiale der Bäckerei-Konditorei Hollander kostenlos besichtigt werden.
Im Schauraum endet dann der kurze, aber intensive Ausflug in die Römerzeit, den Du nun mit einem Snack oder einer Mehlspeise aus der Bäckerei perfekt ausklingen lassen kannst.
Wenn dieser Rundgang jetzt Dein Interesse für den Donaulimes und die Römerzeit erweckt hat, empfehle ich Dir noch den Kulturweg „Sprechende Römer“ in Traismauer, einen Besuch der Römerbrücke bei Lanzing sowie Wanderungen auf Römerwegen bei Arnsdorf und Mautern.

Quick Facts:

Weglänge: ca. 0,9 km
Dauer: ca. 00:15 reine Gehzeit, ca. 01:00 gesamt
Differenz zwischen höchstem und niedrigstem Punkt: ca. 3 m
Gesamter Auf-/Abstieg: ca. 3 m
Kinderwagentauglich: bedingt (Engstelle auf dem Fußweg zwischen Römergasse und Passauer Platz)
Für Nordic Walking geeignet: ja
GPS-Daten: Download
Öffentliche Verkehrsmittel: Bushaltestelle Zeiselmauer – Florianiplatz bzw. Bahnhof Zeiselmauer-Königstetten; Fahrplanauskunft auf SCOTTY
Offizielle Informationen: freundevonzeiselmauer.at