Mit der KI ist es ja so eine Sache. Sie erstellt tolle Texte und tolle Fotos, die ich z.B. auch für die Illustration der Serie über Orientierung und auch für die Kinder-Serie mit den Weinbergziegen verwende. Auch Musikstücke, beispielsweise für die “Terroir Tunes” kann KI konzipieren und komponieren.
Aber eines können Sprachmodelle wie ChatGPT, Claude, Gemini, Le Chat & Co. noch nicht und werden es vielleicht auch niemals können: Mit Landkarten umgehen.
↔ 2,7 km | ↑ 125 m | ↓ 125 m | ↕ 123 m | ●●●○○ | 01:00

Wenn Du ChatGPT aufforderst, eine Österreichkarte zu erstellen, kann so etwas herauskommen.
Ich habe ChatGPT auch gebeten, mir eine GPX-Datei einer einstündigen Tour, ausgehend vom Campus Krems zu erstellen. Das Ergebnis ist wie man unschwer erkennen kann, ziemlich unbrauchbar. Als Ausgangspunkt wurde immerhin ein Ort in Krems genommen, allerdings ein China-Restaurant und nicht der Campus.
Sprachmodelle sind halt Sprachmodelle, die Wörter (und mittlerweile auch Bilder und Klänge) nach Wahrscheinlichkeiten erstellen können. Karten (und GPX-Dateien) sind aber etwas Exaktes, ebenso Wanderrouten.
Erstellt ein Sprachmodell nun eine Karte, dann “mischt” sie Karten, die es bereits kennt und dabei kann es nun zu schweren Fehlern wie auf dem obigen Bild kommen.
Schade eigentlich, denn irgendwie wäre es ja toll, sich von jedem beliebigen Punkt aus einen Wandervorschlag erstellen zu lassen. Dann muss man nicht ständig dieselbe Strecke mit dem Hund gehen, kann die Mittagspause für sportliche Betätigung nutzen, sich auch an fremden Orten ohne beschilderte Wanderwege wandernd fortbewegen und beispielsweise die Ladezeit des E-Autos mit einer kleinen Wanderung vertreiben.
Wahrscheinlich werden Sprachmodelle so etwas nie können. Aber wer sagt, dass man dafür Sprachmodelle benötigt?
Der tschechische Online-Kartenanbieter Mapy.com (ein Tochterunternehmen der Suchmaschine Seznam.cz, die in Tschechien nach wie vor beliebter als Google ist) kann das nämlich.
Routenplaner stellen ja so etwas wie eine Ur- oder Vorform Künstlicher Intelligenz dar, funktionieren aber anders als Sprachmodelle. Mir bislang bekannte Routenplaner finden entweder den kürzesten Weg, den schnellsten oder den ökonomischsten, ein Tool, das Routen nach Zeitvorgaben (er)findet, war mir bislang noch nicht bekannt.
Ich zeigt Dir jetzt, wie das mit der kostenlosen App (für Android und Apple verfügbar) geht! Über den Browser funktioniert es übrigens auch.
Mit dem Schieberegler kannst Du die Gehzeit verschieben. Die mit 1 Stunde und 4 Minuten vorgeschlagene Runde über den Kögel war für mich irgendwie einer bereits bekannten Route zu ähnlich.
Der 59-minütige Vorschlag erschien mir dann interessanter, zumal er auch über nicht markierte Wege und auch über von mir bislang kaum bekannte Wege führt.
Klickst Du bei einer Route links unten auf “Wandern”…
kannst Du zwischen Wandern, Radfahren und Langlaufen auswählen. Wenn Du die Premium-Version für 249 CZK (derzeit etwas mehr als 10 EUR) pro Jahr abonnierst, kannst Du Dir auch Routen mit Klettersteig, Laufrunden oder Runden für Sport-Kinderwägen anzeigen lassen.
Los geht’s! Unten wird Dir übrigens laufend die voraussichtliche Ankunftszeit sowie die zeitliche und räumliche Entfernung zum Ziel angezeigt.
Wenn Du den nach oben zeigenden Pfeil klickst, kannst Du die Route ändern bzw. am Ende der Wanderung die Navigation verlassen.
So, jetzt geht es tatsächlich los! Ich werde Dir jetzt die vorgeschlagene einstündige Runde, die ich nicht einmal so schlecht finde, vorstellen!

Los geht es als am westlichen Ende des Campus Krems in der Dr.-Karl-Dorrek-Straße. Hier befinden sich ein Parkdeck sowie etliche Ladestationen für E-Autos. Ob als Zeitvertreib in der Mittagspause oder als Beschäftigung während des Ladens des Autos – unser Szenario erscheint durchaus realistisch.

Mapy schlägt mir vor, zuerst ein Stück in Richtung Norden zu gehen und dann links auf den Philosophensteig abzubiegen. Durchaus nachvollziehbar, schließlich verläuft hier auch der Welterbesteig Wachau.

So wie dieser geht man am Ende des asphaltierten Bereichs geradeaus auf dem Fußweg weiter.

Dieser führt über das Portal des Goldbergtunnels der Wachaubahn.

Danach geht es am Winzertor vorbei…

über einen kleinen Rastplatz…

zur Steiner Kellergasse, in die man rechts einbiegt. Noch immer folgen wir dem Welterbestige, allerdings verlaufen hier auch einige andere Wanderrouten.

An einer Hauswand findet man eine Muttergottes in einer Jakobsmuschel. Der Jakobsweg verläuft allerdings weiter südlich über die Steiner Landstraße.

Nach dem Rebentor…

biegen wir rechts auf die Steinspreng ab. Auch auf diesem Weg verlaufen zahlreiche Wanderwege.

Am Ortsende gehen wir geradeaus auf dem Güterweg Schreckberg weiter.

Rechterhand bietet sich nun ein schöner Blick zur Donau.

Ein Marterl erinnert an einen hier 1967 verunglückten Panzergrenadier.

Die Straße macht dann eine Rechtskurve.

Wir sollen nun aber geradeaus auf dem schmalen Pfad weitergehen. Dieser ist rot-weiß-rot markiert, hier verläuft unter anderem auch der Große Tullnerfelder Rundwanderweg.

Nach einem kurzen Stück durch’s Gebüsch gehen wir an Weingärten vorbei.

Über ein Entwässerungsgerinne…

und ein paar Treppen geht es dann zu einem kleinen Rastplatz, bei dem sich ein Bildstock mit dem Hl. Urban befindet.

Von dort aus geht es über den Güterweg Schreckberg geradeaus in Richtung NNW weiter.

Am Ende des Weges biegen wir rechts auf den Güterweg Steiner Goldberg ab. Interessant: auf diesem Stück des Güterwegs verläuft nur der an sich schon lange nicht mehr beschilderte, von mir hier beschriebene Rundwanderweg Steiner Goldberg. Mapy.com kennt diesen Wanderweg, der auf der 1994 erschienenen “Rieden- und Wanderkarte” veröffentlicht wurde, noch.

Am ersten links abzweigenden Weg gehen wir noch vorbei.

Nach den Bäumen biegen wir vor einer Hütte links ab.

Auf diesem Weg verläuft nun überhaupt kein markierter Wanderweg.

Er wirkt auch durchaus etwas abenteuerlich. Ich bin diesen Weg vor vielen Jahren einmal gegangen. Es gibt aber durchaus Menschen, die hier gehen und mir sind sogar zwei andere Wanderer begegnet.

Der Weg endet an einem breiteren Weg, auf dem wir nun links bergab weitergehen.

Nach wenige Schritten stehen wir vor dem Steigenberger Hotel.

Über den Durchgang und eine Treppe gelangen wir zur Straße “Am Rosenhügel”, in die wir rechts einbiegen.

Wir gehen an einer weiteren Urban-Statue vorbei…

und kommen so wieder…

zum Campus.
Fazit:
Die von Mapy.com vorgeschlagene Route war durchaus interessant und ist auch über nicht markierte Wege verlaufen. Mapy.com ist durchaus geeignet, Routen zu finden, wenn man einmal gewisse Wartezeiten überbrücken möchte oder sich an Orten ohne beschilderte Wanderwege bewegen möchte.
Für Gemeinden und Tourismusverbände kann Mapy.com auch eine gute Planungshilfe darstellen. Menschliche Routenplaner, die die Gegebenheiten vor Ort kennen und die Wege auch begehen, werden aber nach wie vor notwendig bleiben.
Gerade das unmarkierte Stück der Route war doch etwas abenteuerlich und hätte beim einen oder anderen Touristen für ordentlichen Frust gesorgt.
Ohne Zweifel stellt Mapy.com jedoch ein ansprechendes, kostengünstiges und mit Informationen vollgepacktes Tool für Wanderer, Radfahrer und Autofahrer dar. Daher werde ich es in ein paar Wochen auch in meiner Serie zum Thema Orientierung näher vorstellen!
Quick Facts:
Weglänge: ca. 2,7 km
Dauer: ca. 01:00
Differenz zwischen höchstem und niedrigstem Punkt: ca. 123 m
Gesamter Auf-/Abstieg: ca. 125 m
Kinderwagentauglich: nein
Für Nordic Walking geeignet: nein
GPS-Daten: Download
Öffentliche Verkehrsmittel: Stadtbus von Bahnhof Krems mit der Linie 1 bis Donau-Universität; Fahrpläne auf SCOTTY







































