Wer unterwegs ist, hat zumindest an schönen Tagen einen Orientierungspartner immer dabei: die Sonne. Doch ihr Verlauf ist deutlich komplexer, als viele annehmen. Wer ihn versteht, kann sich auch ohne Karte oder Smartphone erstaunlich gut zurechtfinden.
Die Erde dreht sich – nicht die Sonne
Auch wenn es im Alltag anders wirkt: Nicht die Sonne bewegt sich über den Himmel, sondern die Erde dreht sich. Einmal in 24 Stunden rotiert sie um ihre eigene Achse. Dadurch entsteht für uns der Eindruck, dass die Sonne im Osten aufgeht, ihren Bogen beschreibt und im Westen wieder untergeht.
Der bekannte Merksatz stimmt also grundsätzlich:
Im Osten geht die Sonne auf, im Süden nimmt sie ihren Lauf, im Westen wird sie untergehen.
Für unsere Breiten – also auch die Weinregionen Österreichs – ist das eine gute erste Orientierung.
Wann steht die Sonne wirklich im Süden?
Zur Mittagszeit erreicht die Sonne ihren höchsten Punkt am Himmel, den sogenannten Zenit. Auf der nördlichen Erdhalbkugel und somit auch bei uns in Mitteleuropa steht sie dabei grundsätzlich im Süden. Viele glauben deshalb: Um 12:00 Uhr zeigt die Sonne exakt nach Süden. Ganz so einfach ist es aber nicht.
Entscheidend ist der sogenannte „wahre Mittag“. Das ist jener Zeitpunkt, an dem die Sonne tatsächlich ihren Höchststand erreicht. Und dieser hängt direkt vom Längengrad ab, auf dem man sich befindet.
Die Erde dreht sich in 24 Stunden um 360 Grad. Daraus ergibt sich: Pro Längengrad verschiebt sich der Sonnenhöchststand um etwa vier Minuten. Als Referenz dient in Mitteleuropa der 15. Längengrad Ost, der unter anderem durch Linz verläuft. Dort steht die Sonne zur Normalzeit (Winterzeit) um etwa 12:00 Uhr ziemlich genau im Süden.
Schon wenige Kilometer weiter westlich oder östlich verschiebt sich dieser Zeitpunkt. Rund um Wien liegt der wahre Mittag daher einige Minuten vor 12:00 Uhr, in Zürich jedoch einige Minuten nach 12:00 Uhr.
Und dann kommt noch die Sommerzeit dazu: Weil die Uhr künstlich um eine Stunde vorgestellt wird, steht die Sonne in dieser Zeit erst rund um 13:00 Uhr (Uhrzeit) im Süden.
Die Jahreszeiten verändern den Sonnenverlauf
Der zweite große Einflussfaktor ist die Neigung der Erdachse. Sie beträgt etwa 23,5 Grad und ist dafür verantwortlich, dass sich die Jahreszeiten bilden.
Für die Orientierung bedeutet das:
Im Sommer beschreibt die Sonne einen hohen, langen Bogen über den Himmel. Die Tage sind lang, die Sonne steht steil. Im Winter hingegen bleibt sie flach, ihr Weg ist kurz und die Tage sind deutlich kürzer.
Auch der Ort von Sonnenaufgang und Sonnenuntergang verschiebt sich im Jahresverlauf merklich.
Osten und Westen: Nur zweimal im Jahr exakt
Ein weit verbreiteter Irrtum hält sich hartnäckig: Die Sonne gehe immer genau im Osten auf und im Westen unter. Tatsächlich stimmt das nur an zwei Tagen im Jahr – zur Tagundnachtgleiche im Frühling (um den 21. März) und im Herbst (um den 23. September).
Nur an diesen Tagen steht die Sonne beim Aufgang exakt im Osten und beim Untergang exakt im Westen. An allen anderen Tagen verschiebt sich dieser Punkt entlang des Horizonts – im Sommer Richtung Nordosten bzw. Nordwesten, im Winter Richtung Südosten bzw. Südwesten.
Den Sonnenverlauf exakt berechnen
Wer es ganz genau wissen möchte, kann den Sonnenverlauf für jeden Ort und jeden Tag berechnen. Eine sehr hilfreiche Möglichkeit bietet www.sonnenverlauf.de!
Zu dieser Website gibt es auch eine Android-App.
Eine sowohl für Android als auch für Apple erhältliche App ist SunOnTrack, die übrigens von einem Grazer Unternehmer entwickelt wurde.
Mit diesen Tools lässt sich exakt nachvollziehen, wann die Sonne wo steht – ideal für Tourenplanung, Fotografie oder einfach zum besseren Verständnis.
Fazit
Die Sonne ist kein perfekter Kompass, aber ein erstaunlich präziser Orientierungspartner. Wer ihren Verlauf versteht, erkennt schnell: Es sind die kleinen Abweichungen, die den Unterschied machen. Genau darin liegt aber auch der Reiz – denn mit etwas Übung wird aus der scheinbar einfachen Bewegung ein wertvolles Werkzeug für unterwegs.
Deine Aufgabe
Gehe auf sonnenverlauf.de und suche Deinen Heimatort.

Gehe dann in das Datumsfeld darunter und schau Dir an, wie sich der Sonnenverlauf im Laufe des Jahres verändert. Probiere es am besten mit den nächsten Jahreszeitenbeginndaten:
- 21. Juni 2026
- 22. September 2026
- 21. Dezember 2026
- 20. März 2026
Bleib dran!
Damit Du zum Orientierungs-Profi wirst, musst Du jetzt unbedingt dranbleiben!
Keine Sorge, auch dabei helfe ich Dir! Damit Du Dir nicht jeden Sonntag einen eigenen Wecker dafür stellen musst, erinnere ich Dich:
- über meinen Newsletter
- über meinen WhatsApp-Kanal
- auf meiner Facebook-Seite
- auf Bluesky und
- auf Threads.
Hinweis: Die Graphik in diesem Artikel wurde mit Generativer Künstlicher Intelligenz (KI) generiert und dient rein illustrativen Zwecken.









