Ich möchte Dich zum Orientierungs-Profi machen, damit Du Dich bei Deinen Wanderungen immer gut zurechtfindest. Das ganze natürlich nicht mit einem einzelnen Artikel oder Video, sondern Schritt für Schritt über die nächsten Monate!

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Wer eine Wanderung plant – etwa auf Weinbergwandern.at – arbeitet oft unbewusst mit Geodaten. Sie stecken in GPS-Tracks, Wanderkarten, Smartphones und Navigationsgeräten. Doch was genau sind Geodaten eigentlich? Und warum können dieselben Koordinaten manchmal in unterschiedlichen Formaten erscheinen?

Dieser Artikel erklärt die wichtigsten Grundlagen: Breitengrade, Längengrade, Höhenangaben und deren Bezugssysteme.

Was sind Geodaten?

Geodaten sind Daten, die einen genauen Ort auf der Erde beschreiben. Sie bestehen meist aus drei Komponenten:

  1. Breitengrad (Latitude) – Position von Nord nach Süd

  2. Längengrad (Longitude) – Position von West nach Ost

  3. Höhe – Position über oder unter dem Meeresspiegel

Gemeinsam ermöglichen sie eine präzise Ortsbestimmung überall auf der Erde.

Für Wanderer sind Geodaten besonders wichtig, weil sie:

  • den exakten Startpunkt einer Wanderung beschreiben

  • Aussichtspunkte, Hütten oder Gipfel lokalisieren

  • GPS-Tracks ermöglichen

  • Karten mit Navigationsgeräten verbinden

Weltkugel mit Breitengraden

Breitengrad – die Nord-Süd-Position

Der Breitengrad beschreibt, wie weit ein Punkt nördlich oder südlich des Äquators liegt.

  • Der Äquator hat 0°.

  • Der Nordpol liegt bei 90° N.

  • Der Südpol liegt bei 90° S.

Österreich liegt ungefähr zwischen 46° und 49° nördlicher Breite.

Die Linien des Breitengrades nennt man Breitenkreise oder Parallelen, weil sie parallel zum Äquator verlaufen.

Weltkugel mit Längengraden

Längengrad – die Ost-West-Position

Der Längengrad beschreibt, wie weit ein Punkt östlich oder westlich des Nullmeridians liegt.

Der Nullmeridian verläuft durch:

Greenwich bei London.

Von dort aus zählt man:

  • bis 180° Ost

  • oder 180° West

Österreich liegt etwa zwischen 9° und 17° östlicher Länge.

Die Linien des Längengrades nennt man Meridiane.

Zwei Darstellungsarten von Koordinaten

Koordinaten können auf zwei Arten dargestellt werden.

1. Grad – Minuten – Sekunden (klassische Darstellung)

Dies ist die traditionelle Form aus der Kartographie.

Beispiel:

48°23’15” N, 15°34’42” E

Bedeutung:

  • 48 Grad

  • 23 Minuten

  • 15 Sekunden

Dabei gilt:

  • 1 Grad = 60 Minuten

  • 1 Minute = 60 Sekunden

Diese Darstellung ist besonders in älteren Karten und in der Navigation üblich.

2. Dezimalgrad (moderne Darstellung)

GPS-Geräte und digitale Karten verwenden meist Dezimalgrad.

Beispiel:

48.3875°, 15.5783°

Dies ist einfach eine dezimalisierte Darstellung der gleichen Koordinate.

Beispielrechnung:

48°23’15”

=
48 + 23/60 + 15/3600
= 48.3875°

Diese Form wird heute in den meisten GPS-Systemen, Apps und Online-Karten verwendet.

WICHTIG: Meistens wird als Dezimaltrennzeichen nicht wie auf dem europäischen Festland üblich das Komma, sondern wie im angloamerikanischen Raum üblich der Punkt verwendet, also 48.3875° und nicht 48,3875°!

Vorzeichen sind die Himmelsrichtungen im Dezimalsystem

Bei der Darstellung von Koordinaten im Dezimalsystem (Dezimalgrad) werden die Himmelsrichtungen meist nicht mit Buchstaben angegeben, sondern über positive und negative Zahlen dargestellt.

Das bedeutet:
Die Vorzeichen der Zahlen zeigen an, in welcher Richtung auf der Erde sich ein Punkt befindet.


Breitengrad (Latitude)

Der Breitengrad beschreibt die Lage nördlich oder südlich des Äquators.

Richtung Darstellung
Nord (N) positive Zahl
Süd (S) negative Zahl

Beispiele:

  • 48.3875° → 48,3875° Nord

  • -34.6037° → 34,6037° Süd

Der Äquator selbst hat den Wert:


Längengrad (Longitude)

Der Längengrad beschreibt die Lage östlich oder westlich des Nullmeridians (Greenwich).

Richtung Darstellung
Ost (E) positive Zahl
West (W) negative Zahl

Beispiele:

  • 15.5783° → 15,5783° Ost

  • -74.0060° → 74,0060° West

Der Nullmeridian hat den Wert:


Beispiel einer vollständigen Koordinate

Ein Punkt in der Wachau könnte im Dezimalsystem etwa so aussehen:

48.3956, 15.5153

Das bedeutet:

  • 48.3956 → nördliche Breite

  • 15.5153 → östliche Länge

Würde ein Punkt hingegen in Südamerika liegen, könnte er so aussehen:

-34.6037, -58.3816

Das bedeutet:

  • -34.6037 → südliche Breite

  • -58.3816 → westliche Länge

Alternative Schreibweise

Manchmal werden zusätzlich die Himmelsrichtungen ausgeschrieben:

48.3956° N, 15.5153° E

Das ist inhaltlich identisch mit:

48.3956, 15.5153

Viele GIS-Programme, GPS-Geräte und Kartenplattformen verwenden jedoch ausschließlich die Vorzeichenmethode.

Merkhilfe

Eine einfache Regel lautet:

  • Nord und Ost = positiv

  • Süd und West = negativ

Oder kurz:

  • NE = +
  • SW = –
Koordinaten lesen in 30 Sekunden
Schloss Miramare in Triest

Höhe: Was bedeutet „Meter über dem Meeresspiegel“?

Neben Breite und Länge spielt auch die Höhe eine wichtige Rolle.

Sie wird meist angegeben als:

Meter über dem Meeresspiegel

Das Problem:
Der Meeresspiegel ist nicht überall gleich definiert.

Viele Länder haben historisch eigene Referenzpunkte, meist an Pegelstationen (Mareographen) gemessen. In Österreich ist der Adriapegel bei Triest der Referenzpunkt. (Das Bild oben zeigt Schloss Miramare in Triest.)

Deshalb können Höhenangaben zwischen Ländern leicht voneinander abweichen.

Referenzpunkte für Höhenmessungen in Europa

Die folgende Tabelle zeigt die Bezugs-Meeresspiegel, auf denen nationale Höhenmessungen basieren.

Land Referenzpunkt für Höhenmessung
Deutschland Normalhöhennull (NHN), Bezug auf den Pegel Amsterdam (NAP)
Frankreich Pegel Marseille (NGF – Nivellement Général de la France)
Griechenland Pegel Piräus
Italien Pegel Genua
Kroatien Adria-Pegel Triest
Österreich Adria-Pegel Triest („Meter über Adria“)
Portugal Pegel Cascais bei Lissabon
Slowakei Baltisches Höhensystem, Pegel Kronstadt (St. Petersburg)
Slowenien Pegel Koper an der Adria
Spanien Pegel Alicante
Ungarn Baltisches Höhensystem, Pegel Kronstadt

Warum das für Wanderer interessant ist

Für normale Wanderungen spielen diese Unterschiede meist keine große Rolle. Moderne GPS-Geräte rechnen Koordinaten automatisch um.

Trotzdem ist es spannend zu wissen:

  • Höhenangaben können je nach System leicht variieren

  • historische Karten verwenden oft andere Referenzsysteme

  • internationale Kartenwerke müssen verschiedene Höhenmodelle harmonisieren

Gerade bei grenzüberschreitenden Wanderungen oder wissenschaftlichen Karten wird dieses Thema relevant.

Deine Aufgabe:

Öffne OpenStreetMap auf Deinem PC und gehe zu einem Dir bekannten Ort. Drücke dann die Rechte Maustaste und wähle “Adresse anzeigen”.  Links oben bekommst Du dann sogleich Breiten- und Längengrad in der Dezimaldarstellung angezeigt.

Versuche das mit mehreren Orten im Umkreis, deren Entfernung Du ungefähr abschätzen kannst. Bald wirst Du ein gewisses Gefühl für die Dimension der Längen- und Breitengrade erhalten!

Adresse in OpenStreetMap anzeigen
Geodaten in OpenStreetMap

Bleib dran!

Damit Du zum Orientierungs-Profi wirst, musst Du jetzt unbedingt dranbleiben!

Keine Sorge, auch dabei helfe ich Dir! Damit Du Dir nicht jeden Sonntag einen eigenen Wecker dafür stellen musst, erinnere ich Dich:

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Hinweis: Die Graphiken in diesem Artikel wurden mit Generativer Künstlicher Intelligenz (KI) generiert und dienen rein illustrativen Zwecken.