Ich möchte Dich zum Orientierungs-Profi machen, damit Du Dich bei Deinen Wanderungen immer gut zurechtfindest. Das ganze natürlich nicht mit einem einzelnen Artikel oder Video, sondern Schritt für Schritt über die nächsten Monate!

Alle bisherigen Folgen findest Du hier!

Wegweiser und Markierungen ermöglichen es, auch ohne Karte den Weg zu finden, aber darf man sich wirklich zu 100% auf sie verlassen?

Fangen wir heute einmal mit den Wegweisern an.

Wenn Du öfters wandern bist, hast Du sicherlich schon die unterschiedlichsten Wegweiser gesehen. Blechtafeln, Holztafeln, vielleicht auch Kunststofftafeln oder Wegweiser, die als Aufkleber auf Licht- oder Schildermasten geklebt wurden.

Wegweiser des ÖTK

Der “Klassiker” schlechthin sind die weißen Tafeln, die teilweise bereits im 19. Jahrhundert (in Niederösterreich vorangig vom Österreichischen Touristenklub (ÖTK)) angebracht wurden. Sie sind entsprechend vor allem an klassischen Routen, die bereits seit dem Beginn des “Wanderzeitalters” bekannt und beliebt sind, zu finden.

Die gelben Balken auf der oberen bzw. der grüne Pfeil auf der unteren Tafel weisen auf die Farbe der ab hier folgenden Markierung hin. 

weiglwarte 006

Im Gegensatz zu Alpenverein und Naturfreunden konnte der ÖTK leider nach dem 2. Weltkrieg nicht mehr die Größe, die er vor 1920 hatte, anschließen. Einige Sektionen (z.B. die Sektion Wachau) haben sich aufgelöst und auch in den bestehenden Sektionen finden sich oft immer weniger Mitglieder, die bereit sind, in ihrer Freizeit ehrenamtlich Schilder zu erneuern und verkommen leider immer mehr Schilder.

“Tut gut!”-Wanderweg Hohenwarth-Mühlbach am Manhartsberg – Route 1: Mühlbach

Unter dieser alten Tafeln des ÖTK, die über Markierungen informiert, findest Du eine moderne gelbe Tafel.

Diese werden für “offizielle” Wanderwege verwendet, die meistens von Gemeinden und Tourismusverbänden, manchmal auch von den alpinen Vereinen, betreut werden.

Auch die “Tut gut!”-Wanderwege in Niederösterreich verwenden diese Tafeln.

Diese Tafeln folgen übrigens der DIN 33466.

Das niederösterreichische Beschilderungskonzept kann man hier ansehen!

Acht geben heißt es bei etwaigen farbigen Punkten. Bei den “tut gut”-Wanderwegen wird oft jeder Wanderung eine Farbe zugewiesen. In dieser Farbe sind die Wege in den Karten eingezeichnet und oft wird dann auf den Wegweisern ein Punkt in dieser Farbe angebracht.

Diese haben im Gegensatz zu den Farben auf den “alten” ÖTK-Tafeln nichts mit etwaigen Markierungen auf Bäumen oder Felsen zu tun!

Bei “tut gut”-Wanderwegen sagen die Punkte auch nichts über den Schwierigkeitsgrad der Runde aus, wie sie es beispielsweise in Tirol tun!

Der "Easy Way" zur Gruberwarte auf der Buschandlwand

Dazu gibt es wie erwähnt noch viele Schilder, die keiner Norm entsprechen.

Schild Weitwanderweg

Die rot-weiß-roten Markierungen der Weitwanderwege sind manchmal als Blechschild, manchmal auch als Aufkleber ausgeführt. Vom Konzept her würde ich sie aber eher den Markierungen zuordnen.

Gefahren bei Wegweisern

Schilder haben natürlich den Vorteil, dass man nicht ständig auf die Karte schauen muss, was vielen ja gar nicht recht ist. Zu 100% darf man sich aber nie auf sie verlassen!

Gefahr Nr. 1: Die Beschilderung ist verdreht oder falsch

Auf dieses Phänomen bin ich immer wieder gestoßen. Manchmal werden Schilder wohl aus Jux und Tollerei verdreht, manchmal ist dies eine Folge von Unfällen und manchmal wohl auch Absicht, um Wanderer vom eigenen Grundstück fernzuhalten. Manchmal werden Schilder auch von Gemeindearbeitern oder externen Firmen aufgestellt, die nur einen Auftrag zur Montage der Schilder bekommen und dabei nur punktuell vorgehen und nicht den ganzen Wanderweg abgehen, wie es zum Beispiel die ehrenamtlichen Mitglieder von Vereinen wie dem Österreichischen Touristenklub (ÖTK), dem Österreichischen Alpenverein (OEAV), den Naturfreunden und den anderen sogenannten “alpinen Vereinen” beim Beschildern bzw. Markieren machen. Wenn der “Gesamtüberblick” fehlt, können natürlich leichter Fehler passieren.

Typische Hinweise auf verdrehte Schilder könnten lockere Tafeln oder lockere Haltestangen (auf Bäumen montierte Schilder kann man eher schwer verdrehen) sein.

Gefahr Nr. 2: Die Beschilderung fehlt

Auch hier gibt es unterschiedliche Gründe. Schilder können gestohlen oder aus anderen Gründen absichtlich entfernt worden sein. Straßentafeln oder Laternen, auf denen die Schilder montiert waren, wurden entfernt und man hat vergessen oder kein Interesse mehr gehabt, die Wanderbeschilderung neu aufzustellen. Schilder auf Hausmauern können bei Renovierungen demontiert und danach nicht mehr neu montiert worden sein. Schilder können auch einfach abgefallen sein (insb. Holzschilder oder auf Holzpflöcken montierte Schilder).

In den Gebieten, die derzeit von Weinbergwandern.at abgedeckt werden, wird Wandern auch in den meisten Gemeinden noch nicht so sehr als Wirtschaftsfaktor angesehen, oft eher als Angebot für Einheimische. Wanderwege werden oft im Zuge von Initiativen und Förderprogrammen beschildert und leider in vielen Fällen nach deren Auslaufen vernachlässigt.

In jüngerer Zeit leider immer öfter ein Problem sind Planungsfehler. Oft sieht es auf der Karte aus, als würde an einer Stelle nur ein schmaler, zu vernachlässigender Weg vom Hauptweg abzweigen, also wird für diese Stelle keine Tafel bestellt. Vor Ort steht man dann aber vor einer Weggabelung, bei der sich der Weg auf ungefähr gleich große Wege aufteilt und weiß nicht, welchem man folgen soll. 

Zur Holzernte geschlagene temporäre Schneisen sehen nicht nur wie Wege aus, sondern sind meistens noch breiter als die eigentlichen Wanderwege. 

Fazit:

Trotz aller Bemühungen der alpinen Vereine, der Tourismusverbände und auch vieler Gemeinden kann und darfst Du Dir nie eine absolut lückenlose und richtige Beschilderung erwarten.

Verlasse Dich daher nie ganz auf Beschilderungen und bediene Dich immer auch Deines Verstandes. Schau Dir immer VOR Deiner Wanderung zu Hause oder in Deiner Unterkunft in Ruhe die Route auf einer Karte oder online an.

Zu diesen Themen wird es natürlich noch eigene Folgen dieser Serie geben!

Waymarked Trails

Zum Abschluss gibt es heute noch einen Linktipp! Die Website Waymarked Trails versucht, alle beschilderten und markierten Wanderwege der Welt zu erfassen. Ein tolles Projekt, bei dem Du übrigens auch manche “alte” Wege entdecken kannst, die auf Tourismuswebsites gar nicht erwähnt werden.

Screenshot der Website "Waymarked Trails".

Deine Aufgabe

Suche Dir auf Waymarked Trails einen beschilderten/markierten Weg in Deiner Nähe aus, gerne einen leichten Weg im bebauten Bereich. Schau genau, wo Du Schilder und wo Du Markierungen findest – und wo vielleicht keine Art von Wegmarke zu sehen ist. Überlege, warum an der einen Stelle eine Markierung und kein Schild zu sehen ist und wenn wo beides fehlt, überlege, warum das vielleicht so ist.

Bleib dran!

Damit Du zum Orientierungs-Profi wirst, musst Du jetzt unbedingt dranbleiben!

Keine Sorge, auch dabei helfe ich Dir! Damit Du Dir nicht jeden Sonntag einen eigenen Wecker dafür stellen musst, erinnere ich Dich:

Alle bisherigen Folgen findest Du hier!

Hinweis: Sämtliche Fotos in diesem Artikel wurden mit Generativer Künstlicher Intelligenz (KI) generiert und dienen rein illustrativen Zwecken.