Immer wieder liest und hört man in den Medien von Wanderern, die eine Smartphone-App zur Orientierung mit GPS verwendet haben und sich trotzdem oder gerade deswegen verirrt haben. Jetzt in das typisch technologiefeindliche “Geschieht Ihnen eh recht!” zu verfallen ist genauso dumm wie sich blind und ohne vorherige Information auf GPS-Apps zu verlassen.

Ich möchte Dir in diesem Artikel zeigen, welche Gefahren beim Wandern mit Apps lauern und wie Du diese Gefahren vermeiden kannst.

Gefahr Nr. 1: Du verwendest eine ungeeignete App

Ein häufiger Fehler ist schlicht und einfach die Verwendung der falschen App. Google Maps, Bing Maps, ViaMichelin, Tom Tom und diverse Standard-Karten-Apps, die auf den Smartphones je nach Hersteller vorinstalliert sind, sind schlicht und einfach nicht für das Wandern, sondern für den Verkehr mit PKW und LKW bis 3,5 Tonnen höchstzulässiges Gesamtgewicht geschaffen. Entsprechend sind Wanderwege, Feldwege, Klettersteige und so weiter darauf nicht eingezeichnet. Oft werden solche Apps erst eingeschaltet, wenn man sich verirrt hat und dann sieht man meistens nur einen Punkt in einem nichtssagenden grauen Feld.

So vermeidest Du diese Gefahr: Besorge Dir eine spezielle Wander-App wie zum Beispiel bergfex, komoot oder outdooractive

Gefahr Nr. 2: Du verwendest in der App eine nicht geeignete Karte oder eine nicht geeignete Kartenebene

Wander-Apps haben normalerweise keine eigenen Karten, sondern greifen auf andere Kartendienste zu, wie eben Google Maps, das freie Projekt OpenStreetMap, die österreichische Verwaltungsgrundkarte Basemap etc. Ersteres ist wie erwähnt beim Wandern abseits von Asphaltstraßen sowieso nicht geeignet. Bei OpenStreetMap gibt es zum Beispiel auch Kartenebene. Das heißt: Du kannst auswählen, ob Dir Wege für Autofahrer, für Radfahrer oder für Fußgänger angezeigt werden.

So vermeidest Du diese Gefahr: Sieh Dir schon vor der Wanderung an, in welcher Karte sämtliche Wege, die Du gehen möchtest, eingezeichnet sind.

Gefahr Nr. 3: Du kennst die Kartensymbole nicht

Kartenkunde war für Dich nur ein lästiger Punkt im Geographie-Unterricht? Nun, wenn Du im Auto ein Navi verwendet brauchst Du eigentlich keine Symbole kennen. Das Navi wird Dir schon alles richtig ansagen und wenn Du regelmäßig Updates einspielst wird das schon irgendwie alles passen. Nicht so bei Wander-Apps. Da musst Du schon wissen, ob die Linie nun eine Autobahn, eine Landstraße, einen Feldweg, einen Klettersteig oder vielleicht sogar Eisenbahnschienen oder Hochspannungsleitung darstellt. Ist das schwarze Kreuz auf der Karte nun das unscheinbare Wegkreuz, das an den verunglückten Landwirt erinnert oder sollte hier vielleicht eine richtige Kirche stehen? Alles nicht so einfach!

So vermeidest Du diese Gefahr: Studiere die Kartenlegende aufmerksam und benutze die App vor der ersten “neuen” Wanderung auf ein paar Dir schon vertrauten Wegen und mache Dich dabei mit den Symbolen vertraut.

Gefahr Nr. 4: Die Wege sind ungenau eingezeichnet

Ich persönlich halte zwar OpenStreetMap immer noch für den besten Kartendienst, gerade hier gibt es aber etwas zu beachten: Das Kartenmaterial wird von Menschen wie Dir und mir erstellt. Jeder kann dazu etwas beitragen. Wirklich falsche Wege habe ich auf hunderten Kilometern bislang noch nicht entdeckt, fehlende Wege schon, ungenau eingezeichnete Wege massenhaft, was ja auch klar ist. Erstens geht wohl kaum jemand von den Freiwilligen mit dem Equipment eines professionellen Vermessungsbüros spazieren, zweitens gibt es auch natürliche Veränderungen. Flüsse und Bäche ändern ihr Flussbett – sie mäandern, also ändern ihren Verlauf zur Kurvenaußenseite. Bei menschengemachten Trampelpfaden ist es eher umgekehrt. Menschen schneiden Kurven oder gehen Abkürzungen und so wird mit der Zeit oft ein neuer Wegverlauf “ertrampelt”.

So vermeidest Du diese Gefahr: Kontrolliere bei unklaren Abzweigungen nach ca. 1-2 Minuten, ob Du Dich noch auf dem richtigen Weg befindest.

Gefahr Nr. 5: Dein GPS ist ungenau

Auch das GPS eines Smartphones ist nie ganz genau. Meistens liegt die Abweichung bei ca. 1,5 bis 2,5 Metern. Aber selbst 1,0 Meter kann bedeuten, dass Du laut GPS auf dem anderen als dem tatsächlichen Ufer eines Baches bist, oder laut GPS auf einem Felsen und nicht auf dem Weg darunter. Darüber hinaus zeichnet es – ja nach App bzw. nach Einstellungen Deiner App nicht permanent Deinen Standort auf, sondern nur in bestimmten Intervallen wie z.B. alle 30 Sekunden. 

So vermeidest Du diese Gefahr: Hier hilft eigentlich nur die Augen offen zu halten und mitzudenken.

Gefahr Nr. 6: Du hast unterwegs keine Internetverbindung

Besonders beim Wandern in abgelegenen Gegenden ist natürlich die Gefahr groß, dass die Internetverbindung schwächelt oder gar ganz abreißt. Dann kannst Du natürlich keine Karten mehr herunterladen. Da ist es natürlich blöd, wenn Du die App erst öffnest, wenn Du bereits glaubst, Dich verlaufen zu haben.

So vermeidest Du diese Gefahr: Falls Deine App Karten offline speichern kann solltest Du diese Funktion nutzen. Falls nicht hilft es meistens, vor der Wanderung (am besten zu Hause oder in Deiner Unterkunft) die Route im großen Maßstab detailliert auf dem Smartphone anzusehen. Dann wird im Normalfall die Karte in den Zwischenspeicher geladen. Achte darauf, den Zwischenspeicher (auch “Cache” genannt) dann nicht mehr zu löschen, die App nicht mehr zu schließen und auch das Telefon nicht mehr auszuschalten. Ebenfalls sehr sinnvoll ist es, sich die Karten auszudrucken (bzw. einen Screenshot zu erstellen und diesen auszudrucken) und mitzunehmen.

Gefahr Nr. 7: Der Akku Deines Smartphones ist leer

Wenn der Akku des Smartphones leer ist kannst Du natürlich auch keine App mehr benutzen. Wenn Du in Funklöcher kommst saugt die Suche nach Sendern den Akku auch schnell leer. 

So vermeidest Du diese Gefahr: Eine Powerbank, die zumindest dieselbe Kapazität wie Dein Smartphone-Akku hat, sollte unbedingt mitgenommen werden. Schließe vor der Wanderung alle Apps, die Du nicht brauchst (Spiele etc.), die aber im Hintergrund Strom fressen könnten. Lade das Smartphone vor der Wanderung noch komplett auf. Wenn Du mit Öffentlichen Verkehrsmitteln zum Ausgangspunkt der Wanderung fährst solltest Du Dir vielleicht einen anderen Zeitvertreib als Handyspiele, Internetsurfen etc. ausdenken. Überlege Dir auch, ob Du zum Fotografieren nicht besser eine richtige Kamera verwendest. Wenn Du unbedingt die Smartphone-Kamera verwenden musst, solltest Du Dir aber immerhin noch überlegen, ob es notwendig ist, alle Fotos sofort auf Social Media zu teilen.

Gefahr Nr. 8: Dein Smartphone geht unterwegs kaputt oder verloren oder wird gestohlen

Punkt 1-7 helfen Dir natürlich nicht, wenn Dein Telefon unterwegs kaputt geht oder gestohlen wird.

So vermeidest Du diese Gefahr: Kaufe Dir für Dein Telefon eine schützende Hülle. Wenn Du auf Deiner Wanderung Flüsse queren musst, wäre auch eine wasserdichte Hülle ganz gut. Falls Du so etwas nicht hast und nicht mehr besorgen kannst, kannst Du Dein Smartphone zumindest vor der Flussquerung in einen Gefrierbeutel packen. Sogenannte Panzerglas-Klebefolien schützen das Display vor Kratzern. Lass Dein Smartphone niemals irgendwo unbeaufsichtigt liegen und stell es für Selfies etc. nicht an Stellen, an denen Abstürze drohen.

Ganz allgemein:

Ganz allgemein rate ich Dir, Dich niemals auf ein einziges Orientierungsmittel zu verlassen und Dich immer Deines Verstandes zu bedienen. Schau Dir immer VOR Deiner Wanderung zu Hause oder in Deiner Unterkunft in Ruhe die Route auf einer Karte oder online an. Nimm Dir immer eine geeignete Karte oder eine Farbkopie des relevanten Ausschnitts mit. Lies Dir gegebenfalls Beschreibungen durch und nimm diese mit (gerne auch als Kopie). Kontrolliere Deine Position immer wieder und nicht erst, wenn Du Dich bereits verlaufen hast. Wenn Deine Wanderung – oder zumindest Zwischenziele – ausgeschildert oder markiert sind solltest Du natürlich auch vor Ort immer auf Schilder und Markierungen achten!

In diesem Sinne wünsche ich Dir, dass Du immer gut und ohne Umweg zu Deinen Zielen kommst und danach auch wieder genauso mühelos nach Hause findest!